• Kunst­­­stof­f­­rohr-Her­stel­­ler wird sei­ne Struk­tur nach­hal­tig anpassen
  • Pro­duk­ti­on und Lie­fe­rung sind wei­ter­hin gesichert

Dat­teln. 26. Juni 2015. Die Becker Plastics GmbH will sich im Rah­men eines Schutz­schirm­ver­fah­rens sanie­ren. Einem ent­spre­chen­den Antrag auf Anord­nung des Schutz­schirm­ver­fah­rens hat das Amts­ge­richt Bochum ent­spro­chen und die vor­läu­fi­ge Eigen­ver­wal­tung ange­ord­net. Beim Schutz­schirm­ver­fah­ren, ähn­lich dem ame­ri­ka­ni­schen Cha­p­­ter-11-Ver­­­fah­­ren, des­sen sich bei­spiels­wei­se Gene­ral Motors im Jahr 2009 bedient hat, trägt die bis­he­ri­ge Geschäfts­füh­rung wei­ter­hin die Ver­ant­wor­tung für alle Ent­schei­dun­gen. Die Pro­duk­ti­on und Lie­fe­run­gen an die Kun­den lau­fen wäh­rend des Ver­fah­rens unge­hin­dert wei­ter. Das Unter­neh­men ist voll­stän­dig handlungsfähig.

Die Geschäfts­füh­rung um Tho­mas Fin­ke­wirth und Sascha Allis­sat wird bis zur Auf­he­bung des Ver­fah­rens von Nils Aver­beck unter­stützt, der auf eine lang­jäh­ri­ge Sanie­rungs­er­fah­rung zurück­bli­cken kann. Wirt­schafts­ju­rist Aver­beck kommt vom Düs­sel­dor­fer Bera­tungs­un­ter­neh­men Bucha­lik Bröm­me­kamp, das Becker Plastics juris­tisch und betriebs­wirt­schaft­lich wäh­rend des Schutz­schirm­ver­fah­rens begleitet.

Ursa­che für die wirt­schaft­li­che Schief­la­ge ist ins­be­son­de­re der Preis­ver­fall auf­grund von Über­ka­pa­zi­tä­ten im Markt. Wei­ter­hin ent­wi­ckelt sich die Kunst­­­stof­f­­rohr-Pro­­­du­k­­ti­on zuneh­mend zum Mas­sen­markt. Wegen des hohen Qua­li­täts­ni­veaus kann Becker Plastics gegen die Bil­lig­an­ge­bo­te, ins­be­son­de­re aus dem Aus­land, nicht kon­kur­rie­ren. „Unse­re Auf­ga­be ist es, Becker Plastics wie­der pro­fi­ta­bel auf­zu­stel­len. Inner­halb der anste­hen­den Sanie­rung wer­den wir unse­re Struk­tur anpas­sen und uns auf unse­re Kern­kom­pe­ten­zen kon­zen­trie­ren“, erklärt Geschäfts­füh­rer Sascha Allis­sat. Mit die­ser Struk­tur­an­pas­sung ist ein Per­so­nal­ab­bau unum­gäng­lich. „In den nächs­ten Tagen wer­den wir das Sanie­rungs­kon­zept den Arbeit­neh­mer­ver­tre­tern sowie der Gewerk­schaft vor­stel­len und gemein­sam eine sozi­al­ver­träg­li­che Lösung ent­wi­ckeln“, ergänzt Allis­sat. Die rund 130 Mit­ar­bei­ter wur­den über die aktu­el­le Ent­wick­lung im Rah­men einer Mit­ar­bei­ter­ver­samm­lung umfang­reich infor­miert. Die Löh­ne und Gehäl­ter sind in den ers­ten drei Mona­ten des Ver­fah­rens durch die Agen­tur für Arbeit gesichert.

Das Unter­neh­men kann im Schutz­schirm­ver­fah­ren die Sanie­rungs­maß­nah­men in Eigen­re­gie unter Auf­sicht des Gerich­tes sowie eines Sach­wal­ters durch­füh­ren. Als vor­läu­fi­ge Sach­wal­te­rin hat das Amts­ge­richt Bochum Rechts­an­wäl­tin Dr. Anja Com­man­deur, Seni­or­part­ne­rin der Kanz­lei Görg, bestellt. Das Schutz­schirm­ver­fah­ren wur­de erst vor drei Jah­ren vom Gesetz­ge­ber als nach­hal­ti­ges Sanie­rungs­in­stru­ment ein­ge­führt. Die wich­tigs­te Vor­aus­set­zung für das Ver­fah­ren ist, dass kei­ne Zah­lungs­un­fä­hig­keit vor­liegt. Zudem muss ein Sach­ver­stän­di­ger beschei­ni­gen, dass die ange­streb­te Sanie­rung nicht aus­sichts­los ist. „Becker Plastics ist für das Ver­fah­ren sehr gut auf­ge­stellt. Mit der Unter­stüt­zung der wich­tigs­ten Kun­den und Gläu­bi­ger sind wir über­zeugt, das Unter­neh­men nach­hal­tig zu sanie­ren“, so Geschäfts­füh­rer Tho­mas Finkewirth.

Eben­so posi­tiv zeigt sich die vor­läu­fi­ge Sach­wal­te­rin Dr. Anja Com­man­deur: „Ich konn­te mir einen ers­ten Ein­druck über das Unter­neh­men ver­schaf­fen. Das Unter­neh­men ist gut auf­ge­stellt und ich sehe einer Fort­füh­rung und Sanie­rung posi­tiv ent­ge­gen.“ Als vor­läu­fi­ge Sach­wal­te­rin hat Rechts­an­wäl­tin Dr. Com­man­deur sicher­zu­stel­len, dass die vor­läu­fi­ge Eigen­ver­wal­tung zu kei­nen Nach­tei­len für die Gläu­bi­ger oder zu Ver­fah­rens­ver­zö­ge­run­gen führt.

Hin­ter­grund: Was ist ein Schutz­schirm­ver­fah­ren (§270b InsO):

Seit dem 1. März 2012 lässt der Gesetz­ge­ber ein neu­es Sanie­rungs­ver­fah­ren, das soge­nann­te Schutz­schirm­ver­fah­ren, zu. Das schuld­ne­ri­sche Unter­neh­men hat bis zu drei Mona­te Zeit, unter einem gesetz­li­chen Schutz­schirm und unter Auf­sicht eines vor­läu­fi­gen Sach­wal­ters einen Sanie­rungs­plan zu erstel­len, der anschlie­ßend mit den Gläu­bi­gern umge­setzt wer­den kann. Gleich­zei­tig wird der Schuld­ner durch den Schutz­schirm für die­sen begrenz­ten Zeit­raum dem unmit­tel­ba­ren Zugriff sei­ner Gläu­bi­ger ent­zo­gen. Vor­aus­set­zung für die Ein­lei­tung eines sol­chen Schutz­schirm­ver­fah­rens ist, dass kei­ne Zah­lungs­un­fä­hig­keit vor­liegt, son­dern nur eine dro­hen­de Zah­lungs­un­fä­hig­keit oder Über­schul­dung, was durch eine Beschei­ni­gung eines Sach­ver­stän­di­gen dem Gericht nach­ge­wie­sen wer­den muss. Zusätz­lich muss beschei­nigt wer­den, dass die ange­streb­te Sanie­rung nicht offen­sicht­lich aus­sichts­los ist. Im Schutz­schirm­ver­fah­ren bleibt die Geschäfts­füh­rung wei­ter­hin im Amt und kann die Geschi­cke des Unter­neh­mens wei­ter len­ken. Ziel des Ver­fah­rens ist es, das Unter­neh­men dem bis­he­ri­gen Gesell­schaf­ter­kreis zu erhal­ten und es nicht zu zer­schla­gen. Des­halb wird das Unter­neh­men über einen Sanie­rungs­plan ent­schul­det. Regel­mä­ßig gehen Unter­neh­men deut­lich gestärkt aus die­sem Ver­fah­ren her­vor, denn die Pas­siv­sei­te der Bilanz wird durch Gläu­bi­ger­ver­zich­te erheb­lich gestärkt.

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