Mit dem ESUG (Gesetz zur erleich­ter­ten Sanie­rung von Unter­neh­men) hat der Gesetz­ge­ber neue Mög­lich­kei­ten geschaf­fen, ein Unter­neh­men durch Insol­venz zu sanie­ren. Neben der Stär­kung von Gläu­bi­ger­rech­ten bie­tet das Gesetz dem Schuld­ner die Mög­lich­keit, eine Sanie­rung in Eigen­ver­wal­tung durch­zu­füh­ren. Die Bau­markt­ket­te Prak­ti­ker­strebt aber die Rege­l­in­sol­venz an und ver­gibt damit der Chan­ce, alle Mög­lich­kei­ten zur Gene­rie­rung von Liqui­di­tät im Antrags­ver­fah­ren aus­zu­schöp­fen. Außer­dem wird die gene­rier­te Liqui­di­tät durch hohe Ver­fah­rens­kos­ten belas­tet und damit nicht zur Sanie­rung des Unter­neh­mens oder zur Befrie­di­gung der Gläu­bi­ger ein­ge­setzt. Die Liqui­di­täts­vor­tei­le einer Insol­venz, die im Wesent­li­chen aus dem Insol­venz­geld, redu­zier­ten Abfin­dun­gen, der Nicht­zah­lung von Mie­ten , aber auch aus der Nicht­ab­füh­rung von Umsatz­steu­er resul­tie­ren, dürf­ten sich bei Prak­ti­ker Deutsch­land auf bis zu 70 Mio. € belau­fen. Allein 20 Mio. € kom­men dabei aus Umsatz­steu­er­ef­fek­ten. Dage­gen ste­hen hohe Ver­fah­rens­kos­ten, die sich ori­en­tie­rend an der Kar­­stadt-Insol­­venz auf etwa 30 Mio. € belau­fen dürften.

Ver­fah­rens­kos­ten begrenzen

Anders bei einer Eigen­ver­wal­tung: Die Ver­fah­rens­kos­ten las­sen sich, jeden­falls soweit die Sach­wal­tung betrof­fen ist, durch Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen begren­zen und der Umsatz­steu­er­ef­fekt fällt nur in der vor­läu­fi­gen Eigen­ver­wal­tung an. Die Gesamt­ein­spa­rung dürf­te sich auch unter Berück­sich­ti­gung von eigen­ver­wal­tungs­spe­zi­fi­schem Bera­tungs­auf­wand auf 30–40 Mio. € belau­fen. War­um ist man bei Prak­ti­ker dann nicht den Weg über die Eigen­ver­wal­tung gegangen?
Zunächst bleibt fest­zu­hal­ten, dass eine Eigen­ver­wal­tung gut vor­be­rei­tet sein muss, um erfolg­reich zu sein. Bei einem DIY-Unter­­neh­­men (Do it Yourself) wie Prak­ti­ker dürf­te eine ange­mes­se­ne Vor­be­rei­tung bei min­des­tens sechs, bes­ser acht Wochen lie­gen. In die­ser Zeit gilt es zunächst ein trag­fä­hi­ges Kon­zept zu erstel­len, das den Sta­ke­hol­dern zeigt, wie die Sanie­rung im Rah­men einer Pla­nin­sol­venz in Eigen­ver­wal­tung pla­ne­risch bewerk­stel­ligt wer­den soll und mit wel­chem wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis sie aus dem Ver­fah­ren kom­men wer­den. Die wich­tigs­te Rol­le spie­len dabei die Waren­kre­dit­ver­si­che­rer (WKV) und weni­ger die wert­hal­tig besi­cher­ten Ban­ken. Mit einem belast­ba­ren Kon­zept, dass den WKV auf­zeigt, dass sie unter opti­ma­len Bedin­gun­gen ver­lust­frei durch das Ver­fah­ren kom­men, besteht mög­li­cher­wei­se die Chan­ce, Kün­di­gun­gen der WKV Lini­en ganz oder zum Teil zu ver­hin­dern. Ohne Limi­te erhält das Unter­neh­men Lie­fe­run­gen nur noch gegen Vor­kas­se, bei einer Liqui­di­täts­en­ge wie bei Prak­ti­ker der Todesstoß.

Schei­tern mit Ansage

Die Bau­markt­ket­te hat, wie der Pres­se zu ent­neh­men ist, bis zuletzt ver­sucht, wei­te­re Finan­zie­rungs­mit­tel von Gläu­bi­gern zu erhal­ten. Schon Tage vor­her und in Anbe­tracht des sich abzeich­nen­den Aus­gangs haben die WKV die Limi­te gestri­chen. Spä­tes­tens das muss­te jede Chan­ce auf erfolg­rei­che Finan­zie­rungs­ver­hand­lun­gen zum Schei­tern brin­gen. Deren Schei­tern war des­halb eine logi­sche Kon­se­quenz. Wohl aus die­sem Grun­de hat man bereits am nächs­ten Tag und somit ohne jede Vor­be­rei­tung Insol­venz­an­trag für die ope­ra­ti­ven Gesell­schaf­ten und erst am nächs­ten Tag für die AG gestellt, was die feh­len­de Vor­be­rei­tungs­zeit unter­streicht. Für eine vor­läu­fi­ge Eigen­ver­wal­tung oder gar ein Schutz­schirm­ver­fah­ren ist eine der­ar­ti­ge Kon­stel­la­ti­on aller­dings völ­lig unge­eig­net und die Rege­l­in­sol­venz die logi­sche Konsequenz.
Die Prak­­ti­­ker-Insol­­venz schließt sich naht­los an die Schle­­cker-Insol­­venz an. Die betei­lig­ten Sta­ke­hol­der haben die Insol­venz immer noch nicht in aus­rei­chen­dem Umfang als Chan­ce für eine Fort­ent­wick­lung des Unter­neh­mens erkannt, son­dern betrach­ten Sie als Ulti­ma Ratio. Die aller­meis­ten Pro­ble­me hät­ten sich aber mit einem frü­hen Antrag vor Ein­tritt der Illi­qui­di­tät lösen las­sen, denn anfäng­li­che Vor­kas­se Rege­lun­gen kön­nen in einem Schutz­schirm­ver­fah­ren früh­zei­tig wie­der auf­ge­ho­ben wer­den. So wie es im Fal­le der Schuh­ket­te Lei­ser der Fall war, die spä­ter erfolg­reich an einen Inves­tor ver­äu­ßert wurde.

Vor­be­rei­tung zahl sich aus

Eine gut vor­be­rei­te­te Pla­nin­sol­venz in Eigen­ver­wal­tung wäre die rich­ti­ge Platt­form für das an sich über­zeu­gen­de Sanie­rungs­kon­zept gewe­sen, basie­rend auf der Umflag­gung der pro­fi­ta­ble­ren Märk­te in Max Bahr. Von der Idee, den Rest in einen Dis­coun­ter umzu­wan­deln hät­te man sich pro­blem­los ver­ab­schie­den kön­nen. Denn es darf bezwei­felt wer­den, dass Bau­markt­dis­count wirk­lich ein trag­fä­hi­ges Kon­zept darstellt.

Robert Bucha­lik, Part­ner der Bucha­lik Bröm­me­kamp Rechts­an­wäl­te | Steuerberater

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