• ESUG zeigt deut­lich posi­ti­ve Wir­kun­gen in der Wirtschaft

 

Düs­sel­dorf, 15. Mai 2014. Drei von vier Unter­neh­men sehen die neu­en Mög­lich­kei­ten des Eigen­­ver­­­wal­­tungs- und Schutz­schirm­ver­fah­rens als eine wich­ti­ge Hil­fe bei der Kri­sen­be­wäl­ti­gung. Dar­über hin­aus wol­len 40 Pro­zent der Unter­neh­men in einer wirt­schaft­li­chen Schief­la­ge eine Sanie­rung unter Insol­venz­schutz nut­zen. Zu die­sem über­ra­schend posi­ti­ven Ergeb­nis kam die Früh­jahrs­be­fra­gung 2014 der Credit­re­form, des Deut­schen Insti­tuts für ange­wand­tes Insol­venz­recht (DIAI) und des Bun­des­ver­ban­des der ESUG Bera­ter Deutsch­land (BV ESUG), an der sich knapp 4.000 Unter­neh­men betei­ligt haben. „Dass so vie­le Unter­neh­men das neue Recht so posi­tiv ange­nom­men haben, hat uns über­rascht, das hat­ten wir in die­ser Signi­fi­kanz nicht erwar­tet“, erklärt Micha­el Bretz, Lei­ter der Credit­re­form Wirtschaftsforschung.

Mas­si­ve bran­chen­be­zo­ge­ne Informationsunterschiede

Nach Ansicht von Prof. Dr. Hans Haar­mey­er, Lei­ten­der Direk­tor des DIAI, wür­de die Akzep­tanz für die refor­mier­ten Insol­venz­ver­fah­ren noch deut­li­cher stei­gen, wenn die Unter­neh­men bes­ser über das neue Recht infor­miert wären. „Zwei Jah­re nach Inkraft­tre­ten des ESUG ist das neue Recht bei 61 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men nicht bekannt“, so Haar­mey­er, „das ist sehr bedenk­lich, denn im Gegen­satz zum Rege­l­in­sol­venz­ver­fah­ren kön­nen durch das ESUG mehr Arbeits­plät­ze und markt­fä­hi­ge Unter­neh­men geret­tet wer­den.“ Signi­fi­kant dabei sind die enor­men Infor­ma­ti­ons­un­ter­schie­de in den ver­schie­de­nen Wirt­schafts­bran­chen. Wäh­rend in der Che­mie­bran­che mehr als 60 Pro­zent der Unter­neh­men über das neue Recht infor­miert sind, ken­nen nur 17 Pro­zent der Fein­­me­cha­­ni­­k/­O­p­­tik-Unter­­neh­­men das ESUG. „Hier haben die Bran­chen­ver­bän­de und die Poli­tik“, so Robert Bucha­lik, Vor­stands­vor­sit­zen­der des BV ESUG und Part­ner der Wirt­schafts­kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp, „noch mehr Auf­klä­rungs­ar­beit und damit einen wich­ti­gen Bei­trag zur Ent­stig­ma­ti­sie­rung der Insol­venz zu leisten“.

Unter­neh­men for­dern insol­venz­un­ab­hän­gi­ges Restrukturierungsverfahren

Eben­so über­ra­schend und ein­deu­tig ist die Posi­tio­nie­rung der Unter­neh­men zu einem geson­der­ten als „Restruk­tu­rie­rungs­ver­fah­ren“ öffent­lich bekannt gemach­tes Ver­fah­ren. Bis­her wird das Schutz­schirm­ver­fah­ren als Insol­venz­ver­fah­ren ver­öf­fent­licht, obwohl ein Insol­venz­grund oft nicht vor­liegt. Ein sol­ches Ver­fah­ren wür­de bei fast zwei Drit­tel der befrag­ten Unter­neh­men die künf­ti­ge Ent­schei­dung für eine Sanie­rung unter Insol­venz­schutz for­cie­ren. „Wäre der Gesetz­ge­ber bereit, ein gericht­li­ches Sanie­rungs­ver­fah­ren durch die Gerich­te nicht mehr als Insol­­venz- son­dern als Restruk­tu­rie­rungs­ver­fah­ren bekannt zu machen, dann könn­te mit die­ser klei­nen Ände­rung die posi­ti­ve Ent­wick­lung des ESUG noch ein­mal deut­lich beschleu­nigt wer­den“, merkt Prof. Haar­mey­er an.

Gro­ße Bereit­schaft zur Mit­ar­beit in vor­läu­fi­gen Gläubigerausschüssen

Erstaun­lich, so Micha­el Bretz, sei die Bereit­schaft von mehr als 50 Pro­zent der Unter­neh­men, in einem vor­läu­fi­gen Gläu­bi­ger­aus­schuss mit­zu­ar­bei­ten. Der Gläu­bi­ger­aus­schuss ist das zen­tra­le Steue­rungs­in­stru­ment in einem Insol­venz­ver­fah­ren. Er hat die Auf­ga­be den Schuld­ner wäh­rend des Ver­fah­rens zu über­wa­chen und er kann die Restruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men mit­be­stim­men. „Wäh­rend in der Ver­gan­gen­heit die meis­ten Insol­venz­ver­fah­ren ohne akti­ve Betei­li­gung von Unter­neh­men als Gläu­bi­ger statt­fan­den, wol­len heut­zu­ta­ge die Gläu­bi­ger wich­ti­ge Ver­fah­rens­ent­schei­dun­gen sel­ber tref­fen“, so die Auf­fas­sung von Prof. Haar­mey­er und wei­ter, „der deut­sche Mit­tel­stand steht der Reform des Insol­venz­rechts posi­tiv gegen­über und es ist erst­mals ein grund­le­gen­der posi­ti­ver Wan­del gegen­über einer Insol­venz als Chan­ce zu erkennen.“

Die Ergeb­nis­se der Umfra­ge wer­den beim 3. Deut­schen Gläu­bi­ger­kon­gress am 11. und 12. Juni 2014 in Köln vor­ge­stellt. Der Gläu­bi­ger­kon­gress befasst sich in die­sem Jahr mit dem Schutz­schirm des Insol­venz­rechts und der Ent­stig­ma­ti­sie­rung des Schei­terns. Der Kon­gress will einen wei­te­ren Schritt zu einer Sanie­rungs­kul­tur in Deutsch­land gehen. Dazu refe­rie­ren Prof. Dr. Hans Haar­mey­er (DIAI) Burk­hard Jung (hww Unter­neh­mens­be­ra­ter GmbH), Lenn­art Koch (taskfor­ce AG), Ralf Coe­nen (taskfor­ce AG), Klaus Sie­mon (Anwalts­kanz­lei Sie­mon), Micha­el Bretz (Credit­re­form), Robert Bucha­lik (Bucha­lik Bröm­me­kamp), Dr. Sarah Nit­sche (Finan­ce), Rudolf Keß­ler (Bay­Wa AG), Dr. Frank Niko­laus (TMA Deutsch­land e.V.),  Micha­el Plu­ta (PLUTA Rechts­an­walts GmbH), Peter Hüt­zen (Bird & Bird LLP), Prof. Rein­hold Joh­rendt (Hafen­Ci­ty Uni­ver­si­tät Ham­burg) und Bernd Dep­ping (dnp Depping).

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