• Geschäfts­be­trieb läuft voll­um­fäng­lich wei­ter – Pro­duk­ti­on und Lie­fer­fä­hig­keit wei­ter­hin gesichert

 

Bad Lipp­sprin­ge. 26. Novem­ber 2014. Wel­lemö­bel will sei­ne bis­he­ri­gen Sanie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten beschleu­ni­gen und hat dazu beim Amts­ge­richt Pader­born für die Gesell­schaf­ten Wel­lemö­bel GmbH, How­el­pa Logis­tik GmbH und MF Bad Lipp­sprin­ge GmbH einen Antrag auf Ein­lei­tung eines vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­fah­rens gestellt. Das Amts­ge­richt hat den Anträ­gen statt­ge­ge­ben und die vor­läu­fi­ge Eigen­ver­wal­tung ange­ord­net. Der Fach­an­walt für Insol­venz­recht Ste­fan Mey­er aus Lüb­be­cke wur­de zum vor­läu­fi­gen Sach­wal­ter bestellt. Wel­lemö­bel wird in dem Ver­fah­ren von der Wirt­schafts­kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp aus Düs­sel­dorf bera­ten, die in der Regi­on unter ande­rem die Blan­ke Tex­tech (Bie­le­feld) und F. &. K. Trai­ler Ser­vice (Rhe­­da-Wie­­den­­brück) erfolg­reich durch ein Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren beglei­tet haben.

Mit der Eigen­ver­wal­tung nutzt Wel­lemö­bel die seit dem 1. März 2012 gel­ten­den Mög­lich­kei­ten einer Sanie­rung unter Insol­venz­schutz. Es han­delt sich dabei nicht um eine Insol­venz im klas­si­schen Sinn son­dern um ein Sanie­rungs­ver­fah­ren mit dem obers­ten Ziel der Unter­neh­mens­fort­füh­rung, des­halb wird Wel­lemö­bel wei­ter­hin von der bis­he­ri­gen Geschäfts­lei­tung um Vol­ker Meu­rer, Wal­de­mar Bau­er und Anna Som­­mer­­mey­­er-Rickert gelei­tet. Zusätz­lich führt der Restruk­tu­rie­rungs­ex­per­te Dr. Jasper Stahl­schmidt von der Kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp als Mit­ge­schäfts­füh­rer die Wel­lemö­bel durch das Verfahren.

Der­zeit lei­det die gesam­te Möbel­bran­che unter einem deut­li­chen Umsatz­rück­gang, da neue Möbel beim Ver­brau­cher nicht mehr im Fokus ste­hen. Wei­ter­hin muss die deut­sche Möbel­in­dus­trie immer mehr Wett­be­werbs­an­tei­le an pol­ni­sche Lie­fe­ran­ten abge­ben. Die­se grei­fen auf­grund nied­ri­ger Her­stel­lungs­prei­se den deut­schen Markt an, da sie von Lohn­kos­ten­vor­tei­len und Steu­er­ent­las­tun­gen in Polen pro­fi­tie­ren. Dar­über hin­aus sub­ven­tio­niert die EU im Nach­bar­land Inves­ti­tio­nen in Immo­bi­li­en und Maschi­nen mit über 70 Pro­zent. „Des­halb wer­den wir den ein­ge­schla­ge­nen Weg der Restruk­tu­rie­rung for­cie­ren. Wir sind gezwun­gen, die Kos­ten an die gesun­ke­nen Umsät­ze anzu­pas­sen, um wie­der wett­be­werbs­fä­hig am Markt agie­ren zu kön­nen“, erklärt Geschäfts­füh­rer Vol­ker Meu­rer. Mit der Anpas­sung will sich das Unter­neh­men zudem stär­ker an den indi­vi­du­el­len Kun­den­wün­schen aus­rich­ten. „Der Trend in der Pro­duk­ti­on geht weg von der rei­nen Mas­sen­fer­ti­gung hin zur indi­vi­du­el­len Ein­zel­fer­ti­gung nach Kun­den­be­stel­lung. Zur effi­zi­en­ten Fer­ti­gung benö­ti­gen wir eine sehr fle­xi­ble Pro­duk­ti­on und eine höhe­re Auto­ma­ti­sie­rung in den Unter­neh­mens­pro­zes­sen“, beschreibt Meu­rer die Neuausrichtung.

In den nächs­ten Wochen wird das Unter­neh­men zusam­men mit dem Bera­tungs­un­ter­neh­men Bucha­lik Bröm­me­kamp einen Sanie­rungs­plan erar­bei­ten, in dem die Ent­schul­dung und nach­hal­ti­ge Fort­füh­rung des Unter­neh­mens auf­ge­zeigt wird. Dem Plan müs­sen die Gläu­bi­ger zustim­men. Der Geschäfts­be­trieb des Unter­neh­mens wird wäh­rend des Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­rens voll­um­fäng­lich fort­ge­führt. Die Pro­duk­ti­on und Lie­fer­fä­hig­keit sind umfas­send gesi­chert. „Die Eigen­ver­wal­tung ist der rich­ti­ge Weg für das Unter­neh­men, um die Sanie­rung im Inter­es­se aller Betei­lig­ten schnell und erfolg­reich umzu­set­zen. Wir gehen davon aus, dass das Ver­fah­ren bis Mit­te nächs­ten Jah­res abge­schlos­sen ist“, erklärt Sanie­rungs­ex­per­te Dr. Jasper Stahl­schmidt. Die Gesell­schaf­ter, die bis­her die Restruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men enga­giert und mit erheb­li­chen finan­zi­el­len Mit­teln beglei­tet haben, haben zuge­si­chert, dass sie den Weg der Restruk­tu­rie­rung fort­set­zen wer­den, um so die nach­hal­ti­ge Sanie­rung der Grup­pe sicher zu stellen.

Wel­lemö­bel stellt Schlaf‑, Büro‑, Jugend- und Baby­zim­mer­mö­bel her und zählt zu den Markt­füh­rern in Deutsch­land. Die Unter­neh­mens­grup­pe pro­du­ziert an den drei Stand­or­ten Bad Lipp­sprin­ge, Det­mold und Als­feld und beschäf­tigt rund 930 Mit­ar­bei­ter. Das Logis­tik­un­ter­neh­men How­el­pa, das den Möbel­fach­han­del belie­fert, hat sei­nen Sitz in Pader­born. Die Mit­ar­bei­ter sind in einer Betriebs­ver­samm­lung über den Antrag infor­miert wor­den. Die Löh­ne und Gehäl­ter sind für die nächs­ten drei Mona­te über das Insol­venz­geld abge­si­chert. „Sowohl die Lie­fe­ran­ten als auch die Kun­den haben ihre Bereit­schaft zu einer wei­te­ren Zusam­men­ar­beit signa­li­siert. Aus den Betriebs­ver­samm­lun­gen wur­de mir von einer hohen Mit­ar­bei­ter­mo­ti­va­ti­on berich­tet“, zeigt sich auch Sach­wal­ter Ste­fan Mey­er zuver­sicht­lich für eine Unter­neh­mens­fort­füh­rung. Der Rechts­an­walt hat­te sich nach der Antrags­stel­lung des Unter­neh­mens vor Ort einen ers­ten Über­blick verschafft.

 

Hin­ter­grund: Was ist eine Eigenverwaltung

In der seit dem 1. März 2012 refor­mier­ten Eigen­ver­wal­tung durch das ESUG (Gesetz zur wei­te­ren Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men) bleibt die Geschäfts­füh­rung wei­ter­hin im Amt und kann die Geschi­cke des Unter­neh­mens wei­ter len­ken. Die Geschäfts­füh­rung über­nimmt dabei die meis­ten Auf­ga­ben, die bis­lang von einem Insol­venz­ver­wal­ter wahr­ge­nom­men wur­den. Anstel­le eines Insol­venz­ver­wal­ters wird ein Sach­wal­ter bestellt. Der Sach­wal­ter hat haupt­säch­lich die Auf­ga­be, die wirt­schaft­li­che Lage des Schuld­ners zu prü­fen und die Geschäfts­füh­rung zu über­wa­chen. Im Ein­ver­neh­men mit den Gläu­bi­gern, dem vor­läu­fi­gen Sach­wal­ter und dem Insol­venz­ge­richt will das Ver­fah­ren die Fort­füh­rung eines Unter­neh­mens unter dem Schutz der Insol­venz­ord­nung ermög­li­chen. Ziel des Ver­fah­rens ist es, dem Unter­neh­men den bis­he­ri­gen Gesell­schaf­ter­kreis zu erhal­ten und es nicht zu zer­schla­gen. Des­halb soll das Unter­neh­men auch nicht ver­kauft (asset deal), son­dern über einen Insol­venz­plan ent­schul­det wer­den. Die Pas­siv­sei­te der Bilanz wird durch Gläu­bi­ger­ver­zich­te deut­lich gestärkt. Am Ende des Ver­fah­rens hat sich die Eigen­ka­pi­tal­quo­te meist erheb­lich ver­bes­sert. Aus ver­schie­de­nen Quel­len, ins­be­son­de­re Insol­venz­geld und Umsatz­steu­er, wird so viel Liqui­di­tät gene­riert, dass eine Liqui­di­täts­zu­fuhr von außen nicht mehr erfor­der­lich ist. Die Umset­zung von Sanie­rungs­maß­nah­men, wie zum Bei­spiel Been­di­gung unren­ta­bler Ver­trags­ver­hält­nis­se oder lang­lau­fen­der Dau­er­schuld­ver­hält­nis­se, aber auch ein not­wen­di­ger Per­so­nal­ab­bau sind deut­lich schnel­ler und wesent­lich kos­ten­güns­ti­ger mög­lich. Dadurch wird die Liqui­di­tät geschont und das Ergeb­nis erheb­lich ver­bes­sert. In aller Regel geht das Unter­neh­men deut­lich gestärkt aus die­sem Ver­fah­ren her­vor und erreicht wie­der eine nach­hal­ti­ge Markt- und Wettbewerbsfähigkeit.

 

Über Wel­lemö­bel GmbH

Die Wel­lemö­bel GmbH stellt Schlaf‑, Büro‑, Jugend- und Baby­zim­mer­mö­bel her und zählt zu den Markt­füh­rern in Deutsch­land. Die Ursprün­ge der Wel­lemö­bel gehen auf das Jahr 1896 zurück. 2004 ist das nun bestehen­de Unter­neh­men aus der Insol­venz der Wel­le Möbel GmbH her­vor­ge­gan­gen. An den drei Stand­or­ten Bad Lipp­sprin­ge, Det­mold und Als­feld sind rund 930 Mit­ar­bei­ter tätig, die einen Umsatz von 100 Mil­lio­nen Euro (Stand 2013) erwirt­schaf­ten. Wel­lemö­bel wer­den in rund 30 Län­der welt­weit verkauft.

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