Flachglas Wesel stellt Antrag auf vorläufige Eigenverwaltung

  • Glashersteller nutzt neue Möglichkeiten der Insolvenzordnung zur Sanierung 
  • Buchalik Brömmekamp erstellt Sanierungskonzept

Wesel, 3. Dezember 2012. Die Flachglas Wesel GmbH hat am 30. November 2012 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Duisburg gestellt. Das Amtsgericht hat dem Antrag entsprochen und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Verglichen mit einem regulären Verfahren ist der wesentliche Vorteil der vorläufigen Eigenverwaltung, dass die Geschäftsführung um Winfried Vengels und Dirk Plogmann weiterhin verantwortlich das Unternehmen lenkt und ihr mit Dirk Hammes, Duisburg, ein Sachwalter zur Seite gestellt wird. Weiterhin erhält die Unternehmensleitung während des Sanierungsprozesses Unterstützung durch den Restrukturierungsexperten Frank Thiele. Zusammen mit dem Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp wurde bereits ein umfassendes Sanierungskonzept entwickelt. Die rund 160 Mitarbeiter wurden in einer Betriebsversammlung über den Antrag informiert. Die Lohnfortzahlung ist über das Insolvenzgeld für die nächsten drei Monate gesichert.

„Wir wollen das Unternehmen endgültig entschulden und nutzen mit dem Antrag die neuen Möglichkeit des Insolvenzrechtes zur Sanierung“, erklärt Geschäftsführer Winfried Vengels. Mit Hilfe des vom Gesetzgeber neu strukturierten Eigenverwaltungsverfahrens ist es möglich, bei gerichtlicher Überwachung und Begleitung eines Sachwalters ein komplettes Insolvenzverfahren in Eigenregie durchzuführen und abzuschließen. Der Geschäftsbetrieb, die Produktion und Belieferung der Kunden werden deshalb unverändert fortgeführt. 

Das neue Sanierungskonzept sieht vor, dass sich der Spezialglashersteller mittelfristig zu einem Vollsortimenter von technologisch anspruchsvollen Produkten entwickelt und sich von unrentablen Kleinaufträgen sowie zu teuren Lieferverträgen trennt. „Die erneute Sanierung soll dazu beitragen, diesen Weg schnellst möglich zu gehen und dass wir uns dauerhaft gewinnbringend aufstellen“, so Geschäftsführer Vengels. Die Banken, Lieferanten und Kunden wollen das Unternehmen während des Sanierungsprozesses weiter unterstützen.

Bereits vor zwei Jahren hatte die Flachglas Wesel einen Insolvenzantrag gestellt, der nach der erfolgreichen Sanierung wieder aufgehoben wurde. „Die Neuaufstellung hat die Flachglas Wesel wieder auf guten Kurs gebracht. Der Wegfall des Immobilienmarktes in Südeuropa und die Insolvenzwelle in der Solarindustrie verursachten dann die erneute Schieflage“, so Vengels. So brachen einerseits Absatzmärkte weg, denn seit der Wirtschaftskrise sind die Neubauprojekte in Südeuropa fast zum Erliegen gekommen. Anderseits drängen Glashersteller, die bisher für die insolvente Solarindustrie produzierten, auf den Markt für Baugläser. Der vor zwei Jahren erwartete Umsatzanstieg und die Marktbelebung blieben somit aus. Nun muss die Kostenstruktur des Unternehmens an die Marktlage angepasst werden.